Innensanierung einer Schule

Nach der energetischen Modernisierung (EnModIN) begannen bereits im Jahr 2012 die Vorarbeiten für die Innensanierung (Generalsanierung) der Mittelschule Grafenwöhr. Mit dieser sollten, ergänzend zu der energetischen Außensanierung, die Innenräumlichkeiten des Schulgebäudes architektonisch, behindertengerecht, haustechnisch und brandschutztechnisch dem neuesten Stand angepasst werden.

Zu Beginn wurde ein Maßnahmenkatalog erstellt. Dieser Maßnahmenkatalog beschreibt jeden einzelnen Raum des Gebäudes über dessen Funktion, den Ist-Zustand des Raumes und die zu renovierenden Maßnahmen der Boden-, Wand- und Deckenflächen. Unter Berücksichtigung aller Geschosse, also inklusive Untergeschoss (Keller) und Dachgeschoss wurde ein Raumprogramm anhand der prognostizierten künftigen Schülerzahlen erstellt.

Neben dem Förderantrag für Mittel nach dem Finanzausgleichsgesetz (FAG) wurde auch der Bauantrag gestellt, sodass bereits 2012 die Baugenehmigung vorlag. Die Kosten der Maßnahme liegen laut Förderantrag, bei rund 4,1 Mio. Euro, davon sind rund 3,6 Mio. Euro förderfähig. Die Stadt Grafenwöhr rechnet daher mit einem Zuschuss in Höhe von ca. 1,75 Mio. Euro.

Die Maßnahme sah viele Veränderungen vor: Eine neue Elektro- und Sanitärtechnik müsste eingebaut werden, da diese teils noch aus den 50er Jahren stammte. Alle Klassenräume sollten neue Akustikdecken inklusive Leuchtmitteln erhalten. Die Bodenflächen, bestehend aus Parkett, Steinzeug, PVC / Linoleumbelag waren erneuerungsbedürftig. Die Wandflächen bedürfen einer  Überarbeitung, Ergänzung und in Teilen einer Erneuerung. Vorhandene Türen  sollten  unter Beachtung des Schallschutzes getauscht und mit einem neuen Schließsystem ausgestattet werden. Der Brandschutz musste zeitgemäß ergänzt und angepasst werden. Auch ein Sicherheitskonzept für Amokfälle sollte ausgearbeitet und technisch umgesetzt werden.

Bis zur Leistungsphase 4 (Genehmigungsplanung) beauftragte die Stadt Grafenwöhr  das Büro Brückner & Brückner, Tirschenreuth, mit den Planungsleistungen. Ab Leistungsphase 5 übernahm das örtliche Büro m3plan, Inhaber Reinhold Krausch, die Begleitung. Brückner & Brückner wurde jedoch die baukünstlerische Oberleitung übertragen. Die Fachplanungen für die Gewerke der Haustechnik (Sanitär, Heizung, Elektro mit Brandschutz) wurde durch das Ing.-Büro. IBZ, Bayreuth, erstellt. Die Ingenieurgesellschaft Lehner und Baumgärtner aus Tirschenreuth hatte den Auftrag, die Tragwerksplanung für die Umbauarbeiten zu erstellen.

Nach der Fertigstellung der Werkplanung und den durchzuführenden  Vergabeverfahren konnten die Bauarbeiten zur Innensanierung am 15.05.2014 beginnen. Gestalterisch hat Architekt Reinhold Krausch das Konzept der Kollegen Brückner & Brückner, welche schon für die Außengestaltung verantwortlich waren, aufgegriffen und versucht, den unterschiedlichen Gebäudeteilen auch im Inneren zu einem „stimmigen, neuen Erscheinungsbild“ zu verhelfen. Grundgedanke dabei war, die einzelnen Geschosse farblich zusammenzufügen. Da, wie oft zitiert, die Kunst im Weglassen liegt, hat sich Architekt Krausch bei der Farbauswahl auf den Farbkreis der Sekundärfarben beschränkt und dabei drei Farben anhand ihrer psychologischen und emotionalen Wirkung ausgewählt:

Orange für das Untergeschoss wirkt aufbauend und leistungssteigernd, anregend und anspornend. Sie fördert Freude, Leichtigkeit, weckt die Arbeitsfreude und strahlt Wärme aus. Darüber hinaus haben Psychologen festgestellt, dass sie es Morgenmuffeln leichter macht, früh aufzustehen.

Grün für das Erdgeschoss hilft Körper und Seele ins Gleichgewicht zu bringen, wirkt regenerierend und harmonisierend, fördert Ruhe und wirkt erfrischend, erholsam und vitalisierend. Grün soll zudem das Urteilsvermögen verbessern und die Nerven beruhigen, sowie die Sinne stärken und die Konzentration fördern.

Blau für das Obergeschoss wirkt harmonisiert und beruhigt, entspannt nach einem hektischen Tag und fördert die Kommunikation und Sachlichkeit, sowie die Präzision der Gedanken.

Die nötige Seriosität, welche durch dunkelgraue Flächen in der Fassade wiedergegeben wurde, findet sich ebenfalls im Inneren wieder. Hier wurde der anthrazit Farbton im Bereich der Verwaltung, des Lehrerzimmers, der Aula, der Fensterbänke und dem Gestühl des PCB-Raumes eingesetzt. Unterstützt durch die gravierend verbesserte Akustik mittels der eingebauten Schallschutzdecken und der neuen LED-Beleuchtung, wirkt das Schulgebäude nun hell und freundlich.

Noch während der Bauphase wurden neue Erkenntnisse aus dem Unterrichtswesen, das Lernen in sogenannten „Lernlandschaften“, bekannt und von der Schulleitung favorisiert. In enger Abstimmung mit der Schulleitung zeigten sich die Planer diesbezüglich flexibel. 2013 wurde die Planung durch das Büro m3plan daher nochmals überarbeitet und geändert. Darin wurden einige Räume anders als ursprünglich geplant, umgestaltet bzw. zusammengelegt. Auch eine komplett neue Möblierung wurde in die staatliche Förderung aufgenommen und die Fachklassenräume (Musikraum, Werkraum, Physik-Chemie-Biologie-Raum, u.a.) sollten eine neue Ausstattung bekommen. Auch die Regierung als maßgebliche Förderstelle übernahm die neue Planung.

Im Zuge der Bauarbeiten stellte sich auch heraus, dass zusätzliche Innenflächen nicht mehr den zeitgenössischen Anforderungen an Baumaterialien entsprachen. Somit musste der Umfang der Sanierung in Absprache mit der Regierung der Oberpfalz und deren Freigabe nochmals erweitert werden.

Durch den Einbau eines Aufzuges im vorhandenen Treppenhaus des Ostflügels und einer außenliegenden Rampe konnte endlich das selbstgesteckte Ziel der Barrierefreiheit für alle Geschosse erreicht werden. Die Bodenbeläge wurden je nach Belastung und Funktion ausgewählt: Linoleum in den Klassenzimmern, Naturstein in den Eingangsbereichen, Fliesenbeläge in den Treppenhäusern und den Sanitärräumen, Holzbeläge in Fachklassenräumen.

Sämtliche Türen erhielten ein elektronisches Schließsystem mit Transpondern. Die Schulaula erhielt eine moderne Medienausstattung und Lichttechnik. Sie kann zusätzlich voll verdunkelt werden. Auf diese Weise dient die Aula nicht mehr nur dem Aufenthalt, sondern kann für schulische Veranstaltungen aller Art genutzt werden.

Nach knapp zwei Jahren Bauzeit konnten die Arbeiten, deren Ausführung unter Berücksichtigung des Schulbetriebes ursprünglich in drei Bauabschnitten geplant war, aber im Laufe der Sanierung zu zwei Bauabschnitten zusammengelegt wurde, im Juli 2016 abgeschlossen werden. Der erste Bauabschnitt wurde bereits im Jahr 2015 bezogen.

Dass aus dem klassischen Schulgebäude nun ein moderner Lernort wurde, zeigt nicht nur die anspruchsvolle Ausstattung in Form der Lernlandschaften, sondern wird dem Besucher bereits bei der Begrüßung und Information am „digitalen schwarzen Brett“ im Foyer bewusst!

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